Der Lockdown, die Schulschließung und das Kontaktverbot bedeuten für Kinder und Jugendliche viele Beeinträchtigungen, besonders in den Bereichen, wo die Schule eine der wenigen Institutionen ist, die Zugang zu Kultur und Gesellschaft gibt und als Ausgleich für soziale Unterschiede fungiert.

StartNet wollte handeln, indem es seine Projekte umgestaltet und neue Aktivitäten schafft.

Zum Beispiel BEFORE, ein webbasierter Service zur Berufsorientierung. Während des Fernunterrichts in den vergangenen Monaten haben die Schulen sich fast ausschließlich auf die Erfüllung des Lehrplans konzentriert und wenig oder gar keine Angebote für die Berufs- und Ausbildungsorientierung angeboten. BEFORE besteht aus einer Webanwendung zur Selbsteinschätzung und einer kostenlosen Online-Beratung mit Expert*innen für Berufsorientierung. Es richtet sich an Schüler*innen der Abschlussklassen, die nun, inmitten einer sanitären, sozialen und wirtschaftlichen Krise, die Weichen für ihren zukünftigen Berufsweg stellen müssen. BEFORE unterstützt sie dabei  ihre Vorlieben, Kompetenzen und Resilienzen zu entdecken.

Das Projekt Or.Co. digitsys soll Bildungsarmut bei Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 14 Jahren vorbeugen. Dafür waren Maßnahmen in und außerhalb der Schule in Apulien und der Basilikata vorgesehen. Die Workshops in den Klassen und der Aufbau von lokalen Netzwerken “Bildungsgemeinschaften” an den fünf Projektknoten wurden Anfang März unterbrochen, weil die Schulen geschlossen wurden. Or.Co. hat die Maßnahmen im Klassenraum in online-Versionen für die neun- und zehnjährigen Kinder umgewandelt, indem den Eltern Materialien zur Überbrückung der schlimmsten Phase des Lockdown angeboten wurden. Vor allem wurden aber zwei neue Unterstützungstools entwickelt: der digitale “Helpdesk” und das Webradio. Ende Juni startet der Helpdesk über Facebook als digitale Unterstützungsplattform für Eltern, die Austausch und kostenlose Beratung durch Psychologen ermöglicht. Das Webradio informiert über aktuelle Themen innerhalb der lokalen Bildungsgemeinschaften.

Proactive Training, die Initiative, die den Unternehmergeist anhand eines Ideen- und Produktwettbewerbs in den Sekundar- und Oberstufen fördert, musste zunächst abgebrochen werden. Aber trotz der Schließung der Schulen und vieler Unternehmen haben die Jugendlichen der 12 teilnehmenden apulischen Schulen mit den Lehrer*innen die Treffen und Kleingruppenarbeit online weitergeführt. Sie haben sogar den Kontakt mit lokalen Unternehmen und Marketing-Experten aufrecht erhalten. Die Ergebnisse, die von viel Erfindergeist, Kreativität und Kompetenz zeugen, haben sie in einer Vorschau via Webradio am 5. Juni vorgestellt. Die Ideen reichten von einer App zur  online-Verwaltung der Medikamentengaben für Kranke, einem Restaurant mit 0-km-Produkten und dem Menü im Gemüsegarten, handgemalten Etiketten für Weinflaschen, Apps für Smartphone, um verschiedene Dienstleistungen anzubieten bis hin zu einem speziellen Handschuh für Menschen Hautproblemen. Das Projekt endet im Dezember 2020 mit einer abschließenden Preisverleihung,die hoffentlich in Präsenz stattfinden wird.

Die Erfahrungen mit der wirtschaftlichen Rezession der letzten Jahre lässt erwarten, dass insbesondere Jugendliche von der Krise infolge des sanitären Ausnahmezustands betroffen sein werden, vor allem in Südeuropa. Viele junge Männer und Frauen werden ihre erste Arbeitsstelle in einer Zeit aufnehmen, in der die Betriebe kaum bereit sein werden, in Einstellung, Ausbildung und Lehrzeit zu investieren. Angesichts dieser Tatsachen ist die Verlängerung des Projektauftrags von StartNet auf weitere drei Jahre wichtig, um den Übergang Schule-Beruf der jungen Menschen in Süditalien wie auch in anderen europäischen Regionen kontinuierlich zu fördern.

Die Erfahrung mit COVID-19 hat allerdings gezeigt, wie gut sich der produktive Sektor wieder ins Spiel bringen kann, je nachdem, wie er agiert. Eine Chance, die gerade junge Menschen, die im digitalen Zeitalter geboren sind, aufgreifen und den Betrieben im Gegenzug anbieten können.